Der Befreiungsweg

Verfall von Rechtschaffenheit im Kaliyuga

Verfall von Rechtschaffenheit im Kaliyuga

Verfall von Rechtschaffenheit im Kaliyuga

Foto: Krishna by amk / wikipedia.org

Es klingt wirklich unglaublich: Im Sathyayuga lebten die Menschen hunderte von Jahren. Sie waren sehr groß und gut gebaut, nicht von kleiner Statur wie die Menschen von heute. Ihre Arme waren allein schon sechs Fuß lang. Was war nun das lebenserhaltende Prinzip der Menschen jener Tage? Das Lebensprinzip befand sich in ihren Knochen. Deshalb konnten die Menschen selbst dann am Leben bleiben, wenn sie ohne Nahrung und Wasser bis auf das Skelett abgemagert waren. Auch wenn kein Fleisch und Blut mehr im Körper waren, konnte das Lebensprinzip in den Knochen verbleiben.

Sathya Sai Baba mit Krishnas imaginärer Flöte

Im Tretayuga waren die Menschen kleiner. Nicht nur ihre Größe, auch ihre Lebensspanne war verringert. Die Menschen konnten leben, solange Fleisch und Blut im Körper waren. Im Dvaparayuga dann befand sich das Lebensprinzip im Blut und die Menschen blieben am Leben, solange Blut im Körper war. Dies kann sehr gut am Beispiel von Bhisma  im Mahabharata-Krieg veranschaulicht werden. Er lag 56 Tage lang danieder, von Pfeilen durchbohrt, bis alles Blut aus dem Körper geflossen war. In jenen Tagen gab es keine lebenserhaltenden Apparate wie Sauerstoffgeräte. Das Lebensprinzip befand sich in seinem Blut, das während der 56 Tage langsam ausfloss.

In diesem Kaliyuga befindet sich das Lebensprinzip in der Nahrung. Der Mensch lebt, solange er Nahrung zu sich nimmt. Ohne Nahrung wird der Körper leblos. Deshalb wird der Mensch in diesem Kalizeitalter annagati-prani genannt, jemand, der durch Nahrung erhalten wird. Aber in früheren Zeitaltern war nicht die Nahrung wichtig, sondern die Verbindung mit Gott. Im Kritayuga und Tretayuga gaben die Menschen ihrer Verbindung mit Gott die höchste Priorität. Doch mit dem Beginn des Dvaparazeitalters verließen sie sich mehr auf ihren Verstand als auf Gott. Versucht dies klar zu verstehen: Im Sathya- und Tretayuga hielten die Menschen Dharma für die Grundlage der gesamten Welt. Doch im Dvaparazeitalter betrachteten die Menschen Geld als die Basis der gesamten Welt. Was war die Ursache des Krieges zwischen den Kauravas und Pandavas? Die Gier nach Reichtum war so groß, dass die Kauravas sich weigerten, den Pandavas auch nur fünf Dörfer als ihren Anteil am Königreich zu geben. Also war Geld die Ursache des Mahabharata-Krieges. In diesem Zeitalter solltet ihr erkennen, dass nicht Geld (dhana) die Welt erhält, sondern Mitgefühl (daya). Mitgefühl ist die Grundlage der gesamten Welt. Aber im Herzen des Menschen von heute befindet sich keine Spur von Mitgefühl. Mitgefühl kennzeichnet das menschliche Herz. Und so erlebt der Mensch zahlreiche Schwierigkeiten, weil in seinem Herzen kein Mitgefühl ist.

Krishna verkündet in der Bhagavadgita: „Wann immer Dharma (Rechtschaffenheit) abnimmt und Rechtlosigkeit zunimmt, verkörpere ich mich auf Erden.“

Krishna by amk / wikipedia.org

Wenn das Praktizieren von Dharma abnimmt und Ungerechtigkeit zunimmt, wenn die Menschen sich gegensätzlich zu den Lehren der Veden und Schriften verhalten, inkarniert entweder Gott selbst oder er schickt Teil-Avatare – Propheten oder erhabene Seelen – die im Unterschied zu Purna-Avataren (Gott mit all Seinen göttlichen Eigenschaften) nur mit einem Teil oder einem bestimmten Aspekt der göttlichen Kräfte ausgestattet sind. Nicht nur in Indien, sondern in allen Ländern verkörpern sich von Zeit zu Zeit Teil-Avatare.

Heutzutage versteht der Mensch nicht die Bedeutung von Menschlichkeit. Er ist unfähig, die inneren menschlichen Werte zu erkennen. Wie kann er dann seine innewohnende Göttlichkeit erkennen? Hunderttausende von Jahren sind seit der Entstehung des Menschen vergangen – aber noch ist die Menschlichkeit nicht in ihm geboren. Sobald der Mensch seine wahre  menschliche Natur erkennt, wird er seine eigene innere Göttlichkeit schauen. Wie kann er sich, ohne seine Menschlichkeit zu kennen, seiner Göttlichkeit bewusst werden? Wie kann jemand, der das Dach nicht berühren kann, den Himmel erreichen? Deshalb sollte der Mensch als erstes versuchen, menschliche Eigenschaften zu erlangen. Dann wird es ihm leicht fallen, göttliche Eigenschaften zu entwickeln.

(Ansprache von Sai Baba am 06.09.1996)

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