Der Befreiungsweg

Das Gayatri-Mantra

Das Gayatri-Mantra

Das Gayatri-Mantra

Gayatri-Statue aus Rishikesh mit fünf Köpfen, eine Hand zum Segen erhoben. Foto: privat

OM
Bhur Bhuvah Svah
Tat Savitur Varenyam
Bhargo Devasya Dhimahi
Dhio Yonah Prachodayat

Aussagen von Sathya Sai Baba über das Gayatri-Mantra:

Der Weise Vishvamitra ersann das Gayatri-Mantra und machte es zu einer Arznei für den Sucher auf dem spirituellen Pfad. Diese Arznei erweckt die höhere Intelligenz, vermittelt Unterscheidungsvermögen, den Drang, das Rechte zu tun und niedere Begierden zu überwinden. Dieses sind die Merkmale des Menschen, die ihn hoch über die Tiere erheben.
(Sathya Sai Baba spricht, Band 4)

Das Gayatri-Mantra ist das allumfassende Gebet, das in den Veden, den ältesten Schriften der Menschheit, sorgsam überliefert ist. Es ist an das immanente und transzendente Göttliche gerichtet, dem die Bezeichnung „savita“ gegeben wurde, was bedeutet: „das, aus dem all dies geboren wurde.“ Das Gayatri-Mantra kann als dreiteilig angesehen werden:

  1. Lobpreisung
  2. Meditation und
  3. Gebet

Zuerst wird das Göttliche gepriesen, dann wird darüber in Ehrfurcht meditiert, und zuletzt wird an das Göttliche appelliert, den Intellekt zu erwecken und zu stärken, der das Unterscheidungsvermögen des Menschen darstellt.

Das Gayatri-Mantra wird als die Essenz der Veden angesehen. „Veda“ bedeutet Wissen, und das Gebet nährt und schärft das Wissen vermittelnde Unterscheidungsvermögen. Tatsache ist, dass die vier Kern-Erklärungen, die in den vier Veden sorgsam verwahrt sind, in diesem Gayatri-Mantra eingeschlossen sind.

Gayatri-Statue mit fünf Köpfen, eine Hand zum Segen erhoben.

Gayatri-Statue aus Rishikesh mit fünf Köpfen, eine Hand zum Segen erhoben. Foto: privat

Verehrung von Gayatri

„Die Gayatri“ wird gewöhnlich bei Sonnenaufgang, am Mittag und bei Sonnenuntergang wiederholt. Aber Gott ist jenseits der Zeit, und es ist ein Ergebnis unserer Begrenztheit, dass wir von Sonnenauf- und untergang sprechen. Wenn wir uns von der Sonne entfernen, ist das Dämmerung – wenn wir uns in das Sonnenlicht begeben, ist dies das Morgenrot. So braucht ihr euch nicht an die drei Zeitpunkte gebunden zu fühlen, um das Gebet zu rezitieren. Es kann immer und überall wiederholt werden, man muss nur sicherstellen, dass das Gemüt rein ist. Ich würde euch raten, es zu rezitieren, wenn ihr euer Bad nehmt. Singt keine billigen und entwertenden Filmlieder, rezitiert die Gayatri! Wenn ihr badet, wird der Körper gesäubert. Säubert auch euer Gemüt und euren Intellekt. Macht es euch zur Aufgabe, sie sowohl zu wiederholen, wenn ihr badet, als auch vor jeder Mahlzeit, sowie wenn ihr aus dem Schlaf aufwacht und wenn ihr ins Bett geht. Und wiederholt auch dreimal „Shanti“ am Ende, denn jene Wiederholung wird den drei Wesenheiten in euch, Körper, Seele und Gemüt, Shanti oder Frieden vermitteln.

Jedes menschliche Wesen hat vier Geburtstage: Der erste ist, wenn es aus dem mütterlichen Schoß austritt und, weder heilig noch nicht-heilig, nur nach Nahrung und Schutz verlangend ist. Der zweite ist, wenn es seine spirituellen Studien beginnt, um von der Dunkelheit zum Licht zu gelangen. Der dritte ist, wenn es Weisheit erlangt hat und die Disziplinen, welche die Rishis zur Erlangung der Selbst-Erkenntnis vorgeschlagen haben, gemeistert hat. Der vierte und letzte ist, wenn es seine wahre Identität erkannt hat und mit dem ewig Absoluten verschmilzt.

Eure zwei Augen können euch nicht die Pracht und Herrlichkeit des Königreiches Gottes offenbaren. Sie sind auf die objektive Welt und deren vergängliche Reize gerichtet. Deshalb wurde euch das Gayatri-Mantra als Drittes Auge gegeben, um euch die innere Vision zu offenbaren, durch die ihr brahman erkennen könnt.

Gayatri ist ein Schatz, den ihr euer ganzes Leben lang bewachen müsst. Gebt die Gayatri nie auf; ihr mögt jedes andere Mantra aufgeben oder ignorieren (Anm.: natürlich nicht das Guru-Mantra!), aber ihr solltet die Gayatri mindestens ein paar Mal am Tag rezitieren. Es wird euch vor Schaden bewahren, wo ihr auch seid, in einem Bus oder Auto, im Zug oder Flugzeug, im Bazar oder auf der Straße. Westler haben die Schwingung dieses Mantras untersucht; sie haben herausgefunden, dass, wenn es mit der richtigen, in den Veden festgelegten Betonung rezitiert wird, die Atmosphäre sichtbar erhellt. So wird der Glanz brahmans zu euch hinab steigen, euren Intellekt erhellen und euren Weg erleuchten, wenn dieses Mantra gesungen wird. Gayatri ist die Mutter, die Kraft, die alles Leben anregt. Deshalb vernachlässigt sie nicht!
(Ansprache von Sathya Sai Baba am 20.06.1977)

Das Gayatri besteht aus drei Gottesaspekten: Gayatri, Savitri und Saraswati.
Gayatri ist die Meisterin aller Sinne und Gefühle und des Verstandes.
Savitri ist der Meister der Lebensenergie
Saraswati ist die Meisterin der Sprache (der Rede, des Ausdrucks)

Gayatri Ma ist allgegenwärtig, sie ist in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieselbe.
Gayatri ist die Mutter der Veden. Sie existiert, wo immer ihr Name rezitiert wird. Sie ist sehr mächtig. Sie ist es, die das Individuum nährt und sie verleiht dem, der sie verehrt, reine Gedanken. Sie ist die Verkörperung aller Göttinnen.

Das Gayatri-Mantra wendet sich auch an Savitri, den Aspekt der Sonne, wobei dabei nicht die physische Sonne an unserem Firmament, sondern die Sonne der Wahrheit am spirituellen Himmel gemeint ist, die Sonne als sichtbare Repräsentation des Höchsten.

Savitri ist der Schöpfer des Alls, er ist das höchste Göttliche in seiner unbeweglichen Haltung als Schöpfer und er regt alle Formen zu ihrer Existenz an. Er ist die spirituelle Sonne an der höchsten Spitze der Schöpfung, er ist die Wahrheitssonne, die einzige Quelle des Lichts und Lebens und das Ziel lebenslanger Hingabe.
(Aus einer Ansprache von Sathya Sai Baba am  19.03.1998)

Es gibt verschiedene Interpretationen des Gayatri-Mantras:

1. OM, wir meditieren über den Glanz und die Strahlung der anbetungswürdigen höchsten Göttlichen Wirklichkeit, der Quelle allen Seins, der physischen, astralen und kausalen Ebene. Möge das höchste Göttliche Wesen unseren Geist erleuchten und unser Unterscheidungsvermögen erwecken, damit wir die absolute Wahrheit erfahren.

2. Lasst uns über das OM meditieren, jenen Urlaut Gottes, aus dem die drei Bereiche, das grobe Irdische, das feinere Ätherische und das feinste Himmlische hervorgegangen sind (Bhur Bhuvah Svaha).
Lasst uns das höchste, unbeschreibbare göttliche Sein (Tat) verehren (Varenyam), die schöpferische, Leben spendende Kraft, die sich auch in der Sonne kundtut. Lasst uns über das strahlende (Bhargo) Licht (Devasya) Gottes meditieren (Dhimahi), welches alles Dunkel und alle Unwissenheit vernichtet.
Oh Gott, wir bitten Dich inständig (Yonah Prachodayat): Lass Dein Licht unser Gemüt erhellen.

3. Möge die äußere Welt, die Welt meiner Sinne, gereinigt werden.
Möge die feinstoffliche Welt, die Welt meiner Seele, gereinigt werden.
Gepriesen seiest Du herrlicher Geist, der Du im Inneren erstrahlst und alle Welten mit Deinem Glanz erfüllst.
Lass mich über Dein Göttliches Licht meditieren und mein begrenztes Bewusstsein ausdehnen, bis es Eins wird mit Dir, Du große Sonne von unendlicher Herrlichkeit.

Guruji sagt über das Gayatri-Mantra:

Om
Bhur Bhuvah Svah
Tat Savitur Varenyam
Bhargo Devasya Dhimahi
Dhiyo Yonah Prachodayat

Das Ganze ist  ein  Mantra. Es gibt insgesamt 70 Millionen Mantren. Davon ist das Gayatri das einzige,  in dem  der  Name des Herrn rezitiert, meditiert und gebetet wird, alles in einem Mantra. Neun Namen Gottes werden rezitiert: Om, Bhur, Bhuva, Svah, Tat, Savitur, Varenyam, Bhargo und Devasya sind die 9 Namen Gottes, die genannt werden. Dann Dhimahi, das bedeutet Meditation über diese neun Namen. Dhiyo Yonah Prachodayat, das ist das Gebet, das an den Herrn gerichtet wird.

Das Gayatri-Mantra hat drei Teile: Einer ist die Namensrezitation, der zweite ist Meditation und der dritte das Gebet. Das Mantra ist in 5 Teile gegliedert. Wenn man es rezitiert, sollte man zwischen diesen Teilen jeweils eine kleine Pause machen.

Jetzt zur Bedeutung der neun Namen:

Ihr alle kennt die Bedeutung des OM: Brahma, Vishnu und Mahesh, alle drei sind im OM enthalten. Das OM ist A-U-M – A (Akar) ist Brahma, U (Ukar) ist Vishnu, M (Makar) ist Shiva oder Maheshwara. Das OM bedeutet also: der Allgegenwärtige, der uns beschützt.

Bhur ist Wahrheit, Bhuvah ist chaitanya, das, was lebendig ist, Wissen, Bewusstsein. Svah ist Glück.

Tat bezeichnet den ewigen Gott. Savitur ist der Eine, der alles erschaffen hat, Brahma. Varenyam meint das, was wir selber erfassen können, die verschiedenen mit Gott verbundenen Aspekte.

Bhargo ist der Zerstörer aller Sünden, der Eine, der Licht ist. Er ist das Licht, mit dem die Dunkelheit des Nicht-Wissens erhellt wird. Der Raum ist dunkel, ihr knipst das Licht an, dann verschwindet die Dunkelheit. So verhält es sich auch mit der Dunkelheit des Nicht-Wissens, wenn ihr Wissen erlangt. Das ist mit Bhargo gemeint. Devasya ist der göttliche Aspekt, der sowohl Licht als auch Glückseligkeit schenkt. Dhimahi bedeutet Meditation (ich meditiere über…).

Dhiyo Yonah Prachodayat: Yonah ist Gott. Prachodayat heißt: Führe uns aus der Dunkelheit zum Wissen, zum Licht, hilf uns von den schlechten Karmas zur Befreiung.

Gemäß den Schriften sollte das Gayatri Mantra viermal am Tag rezitiert werden.

Der Weise Vishwamitra, der jetzt einer der sieben Sterne im Großen Bären ist, hat dieses Mantra komponiert. Er rezitierte es einmal und erflehte den Segen von Gayatri. Gayatri ist eine Göttin. Sie gab ihm ihren Darshan und er bat um eine Gunst. Er sagte: „Gib mir die Fähigkeit, zu erschaffen.“ Aber Gott verleiht niemandem die Fähigkeit, zu erschaffen, zu erhalten und zu zerstören. Als nächstes wollte der Weise einen Devotee mit seinem Körper in den Himmel mitnehmen. Aber man kann mit dem physischen Körper nicht in den Himmel kommen und deshalb verweigerte Indra, der Gott des Himmels, diesem Mann den Zutritt. Darüber wurde Vishwamitra zornig, ging zur Erde zurück und verrichtete noch mehr spirituelle Übungen mit dem Gayatri-Mantra. Gayatri Ma gab ihm wieder Darshan, und er bat sie erneut: „Gib mir die Fähigkeit, zu erschaffen.“ Gayatri antwortete: „Das liegt jenseits meiner Möglichkeiten.“ Deshalb verfluchte er Gayatri Ma, dass niemand sie verehren sollte, und wenn doch, sollte er nichts von ihr bekommen können. Da erschien Brahma, Vishnu und Maheswar und erklärten ihm, dass das nicht richtig sei. Vishwamitra erkannte  seinen  Fehler und  sagte:  „Ich  kann den  Fluch  nicht  zurücknehmen, aber  ich verändere ihn dahingehend, dass diejenigen, die Gayatri Mata verehren möchten, es 4 x am Tag tun sollten.

Deshalb haben wir dieses Mantra in das Essensgebet eingefügt. Ihr esst 3 x am Tag: Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Ihr rezitiert also mindestens 3 x das Gayatri-Mantra. Baba sagt, dass dieses Mantra auch während des Duschens oder Badens  rezitiert  werden solle.  Mit Wasser und Seife reinigen wir  unseren  äußeren Körper, und mit dem Gayatri-Mantra reinigen wir unser inneres Selbst.
Ganga ist eine so große Mutter; wenn ihr ein Bad nehmt und ihren Namen sagt, dann kommt sie. Wenn ihr nicht im Ganges baden könnt, weil ihr in Deutschland wohnt, dann sagt: „Hara, Hara, Ganga!“, wenn ihr Wasser über euren Körper gießt, und wenn ihr die Seife nehmt und euch wascht, sagt ihr das Gayatri-Mantra.

Ansonsten kann man das Gayatri-Mantra im Liegen oder Sitzen jederzeit rezitieren, man bekommt den gleichen Verdienst. Das Gayatri-Mantra könnt ihr zusätzlich zu eurem Guru-Mantra rezitieren. Wenn ihr es eine ganze Mala rezitiert, ist es sehr gut!

Und es gibt noch einen anderen Aspekt, den ich anfügen möchte. Wenn ihr das Gayatri- Mantra singt, wird viel Energie erzeugt, die zu Gott geht, der sie wiederum an andere verteilen wird. Das energetische Gleichgewicht in der Welt muss aufrecht erhalten werden, und das geschieht durch das Gayatri-Mantra.

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